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Sachstand Neukonzeption Zollmuseum Friedrichs
Beschluss des Betriebsausschuss Kultur vom 30.01.2014


Letzte Beratung
Donnerstag, 26. März 2015 (öffentlich)
Federführend
Kulturservice
Originaldokument
http://ratsinfo.aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=13405

Erläuterungen:

Neukonzeption des Zollmuseums Friedrichs

Der Kulturbetrieb der Stadt Aachen beschäftigt sich seit August 2014 auf Grund des Beschluss vom Betriebsausschuss Kultur am 19.02.2014 mit Vorarbeiten für eine Neukonzeption des Zollmuseums Friedrichs. Konkret wurden das Museumsgebäude und der Museumsstandort, das bestehende Vermittlungskonzept und die Sammlung untersucht. Aus diesen noch laufenden Untersuchungen ergeben sich Ansätze für ein neues Museumskonzept. Dessen Konkretisierung ist allerdings von einer baldigen Klärung des künftigen Museumsstandortes abhängig.

Das heutige Zollmuseum

Das Museum befindet sich im Gebäude des ehemaligen Zollamts Horbach unweit der deutsch-niederländischen Grenze. Das Umfeld ist auf deutscher Seite landwirtschaftlich geprägt, während auf niederländischer Seite Wohn- und Gewerbesiedlungen dominieren. Das seit 1997 denkmalgeschützte Gebäude stammt aus dem Jahre 1933. Es bestand aus einem zweigeschossigem Haupthaus für Büro- und Wohnräume und einem eingeschossigen Abfertigungstrakt mit vorgelagerter Rampe, hinzu kommt ein Gartengrundstück mit Nebengebäude. Nach der Schaffung eines Gemeinschaftszollamtes, das im niederländischen Zollhaus untergebracht war, blieben die Amtsräume seit den 1970er Jahren ungenutzt. Das niederländische Zollhaus wurde im Oktober 2014 abgebrochen, sodass von den ursprünglichen Grenzanlagen heute nur noch das Zollmuseum sichtbar ist. Darüber sind in Horbach das 1818 errichtete Vorgängergebäude (heute Wohnhaus) und ein Abschnitt des Westwalls erhalten (Distanz zum Museum ca. 2-3 km).

Das Zollmuseum entstand auf Initiative des damaligen Leiters des Hauptzollamtes Aachen, Christian Friedrichs, in zwei Etappen. Unter der Bezeichnung „Zollgeschichtliche Sammlung Aachen“ wurde 1987 zunächst eine Ausstellung in den Abfertigungs- und Diensträumen eröffnet, die später großflächig auf das gesamte Gebäude mit Ausnahme der Hausmeisterwohnung erweitert wurde. Nach dem Tod Friedrichs (1996) kritisierte der Bundesrechnungshof unter Verweis auf das inzwischen vom Bund etablierte Hamburger Zollmuseum die Weiterfinanzierung der Aachener Sammlung aus Bundesmitteln. Um eine Auflösung der Sammlung zu verhindern, entstand 1998 das bis heute geltende Betreibermodell: Die Stadt Aachen erwarb das Gebäude, der Bund stellte im Gegenzug die in seinem Besitz befindlichen Objekte als Dauerleihgaben zur Verfügung und die Sammlung erhielt den Namen „Zollmuseum Friedrichs“. Das Haus gehört seitdem zu den städtischen Museen und wird von den Heimatfreunden des Heidener Ländchens in Kooperation mit dem Kulturbetrieb ehrenamtlich betrieben.

Das Museum verfügt über eine bespielbare Ausstellungsfläche von rund 600 qm, worin allerdings 4 Räume (mit 233 qm) enthalten sind, die zugleich für Vorträge und Versammlungen genutzt werden. Der Ausstellungsbereich erstreckt sich über 3 Stockwerke, die lediglich durch 1 Treppe erschlossen sind. Zwischen dem Erd- und 1. Obergeschoss existiert außerdem eine Wendeltreppe, die sich jedoch nicht als zweiter Fluchtweg eignet. Aus diesen Gründen ist eine Begehung der Museumsräume des 1. und 2. Obergeschosses nur in Form geführter Gruppen zulässig.

Aufgrund dieser baulichen Restriktionen war und ist das Zollmuseum nicht für Individualbesucher geöffnet. Es bietet vielmehr an zwei Sonntagen im Monat feste Führungszeiten sowie weitere Führungen nach Vereinbarung an. Die Besucherzahlen bewegen sich in den vergangenen 5 Jahren in einem Korridor von ca. 500 bis ca. 1500 Besuchern pro Jahr. Die Führungen wurden in diesem Zeitraum von 1 bis 2 Personen durchgeführt. Die Bespielung des Hauses wird nicht durch Werbemaßnahmen, museumspädagogische Programme o.ä. flankiert; Mehrsprachigkeit und Barrierefreiheit sind nicht gegeben.

Die Präsentation der Exponate entstammt der Gründungszeit des Museums. Wesentliche Elemente der Ausstellung sind noch älter und entstammen zwei Sonderausstellungen aus dem Jahr 1984, die den Bogen von der Gründung des deutschen Zollvereins 1834 zur damaligen Zollunion der Europäischen Gemeinschaft spannten. Diese Narration wurde für das Aachener Museum adaptiert und bildet bis heute dessen Kern. Allerdings wurde sie um zahlreiche Ausstellungsräume ergänzt, die die Geschichte des Zolls seit der Antike, Aufgaben und Organisation der Zollverwaltung, die Bekämpfung des Schmuggels, die Entwicklung der „Grünen Grenze“ bei Aachen, Zollverwaltung der DDR u.v.m. darstellen.

Hierbei trägt die Ausstellung starke Züge eines Erinnerungsortes, im dem sich das Selbstbild der Zöllner zu einem Zeitpunkt wiederspiegelt, in dem die traditionellen Grenzkontrollen im Zuge der europäischen Integration weitgehend aufgehoben wurden. Entsprechend bildete das Zollmuseum von Anfang an auch einen Raum der Identitätsstiftung, was es dem Zollmuseum u.a. ermöglichte, eine Vielzahl von Objekten und Dokumenten aus dem Kreis ehemaliger Zollbediensteter zu akquirieren. Diese Funktion als Erinnerungsort spiegelt sich stark in der Gestaltung der Ausstellung wider (z.B. Wandbilder, „Europa-“ und „Ministerzimmer“).

In der Ausstellung befinden sich zahlreiche Exponate von hohem dokumentarischem und historischem Wert, worauf weiter unten noch eingegangen wird. Dem gegenüber stehen erhebliche Defizite, die aus Sicht der Verwaltung eine grundlegende Überarbeitung des Themen- und Raumprogramms, eine bessere Nutzung der Sammlungsbestände (veränderte Objektauswahl), eine Modernisierung der Präsentation, die Entwicklung eines tragfähigen Vermittlungskonzepts, verbesserte konservatorische Bedingungen, eine bessere Integration in die städtische Museumslandschaft und schließlich die Ableitung angemessener Werbemaßnahmen erfordern.

Diese Defizite sind u.a.:

-Die Zuordnung der Themen zu den Räumen ist nicht immer eindeutig. Teils taucht der gleiche Themenkomplex in mehreren Räumen auf, teils sind die Themen und Zeitebenen im gleichen Raum vermischt. Die entsprechenden Ausstellungsbereiche wirken disparat.

-Die Trennung von Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen ist nicht klar.

-Die thematische Gliederung der Ausstellung erschließt sich ohne Erläuterung durch einen Führer nur schwer. Raumtitel fehlen fast gänzlich; erläuternde Überblickstexte entstammen zumeist noch den 1980er Jahren, und Objekttexte fehlen bis auf wenige Ausnahmen ganz. Die Textgestaltung ist uneinheitlich, fremdsprachige Hinweise fehlen trotz des Thema und Standort des Museums komplett.

-In vielen Ausstellungsräumen dominieren Exponate von geringem musealem Wert. Teils handelt es sich um schadhafte (i.d.R. stark ausgeblichene) Reproduktionen, teils wurden dekorative Gegenstände oder moderne Sekundarliteratur anstelle aussagekräftiger Exponate in die Sammlung aufgenommen. Auf diese Weise sollten offenbar Lücken im Sammlungsbestand überbrückt und die fehlenden Texterläuterungen kompensiert werden. Dem gegenüber stehen Ausstellungsbereiche, die so dicht mit aussagekräftigen Objekten bestückt sind, das diese kaum mehr zur Geltung kommen.

-Die bestehende Eingangssituation ist unbefriedigend. Der Außenbereich wirkt wenig einladend. Ein gastronomisches Angebot (z.B. Café) ist auch im Umfeld des Museums nicht vorhanden.

-Insgesamt wirken die Räumlichkeiten konservativ und altmodisch.

-Die konservatorischen Bedingungen sind verbesserungswürdig (z.B. hoher Lichteinfall) und die Objekte sind zum Teil nicht ausreichend geschützt. Die Lagerbedingungen für die Sammlung sind unbefriedigend, eine Infrastruktur für museale Arbeiten existiert kaum.

Die genannten Defizite sind charakteristisch für Museen, die ohne professionelle Unterstützung von Laien aufgebaut und betrieben werden. Sie können den ehrenamtlichen Betreuern daher auch nicht angelastet werden. Vielmehr haben diese immer wieder Ergänzungen der Ausstellung vorgenommen, für eine gute Verankerung in der örtlichen Bevölkerung gesorgt, Veranstaltungen durchgeführt, Objekte übernommen, das Führungsprogramm gewährleistet und manches mehr.

Die Sammlung

Im Zuge des Denkmalgutachtens hat der LVR im Jahr 1997 auch die Ausstellung des Zollmuseums untersucht. Er kam zum Ergebnis, dass die Sammlung Denkmalwert besitze. Die Sammlung sei bedeutend für die lokale und die rheinische Geschichte, da sie die Entwicklung des Zolls und der Grenze in einer Region abbilde, die „gleich mehrere [der…] historisch interessantesten Grenzen“ des Rheinlandes umfasse. Durch den Wegfall der Grenzkontrollen sei sie zugleich von zeitgeschichtlicher Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland, und nicht zuletzt veranschauliche „tief eingeprägtes Geschehen im Kontakt zu den Nachbarländern“. Der LVR stützte diese Einschätzung allein auf die in der Ausstellung sichtbaren Teile der Sammlung und in Kenntnis ihrer oftmals laienhaften Gestaltung.

Momentan wird eine Sichtung der gesamten Sammlungsbestände durchgeführt, in die erstmals auch die umfangreichen Lager- und Depotbestände bzw. die nach 1997 erfolgten Übernahmen einbezogen werden. Auf dieser Grundlage ist zu konstatieren, dass das Zollmuseum über eine regional und überregional bedeutende Sammlung, deren Potenzial es in seiner jetzigen Form nicht ausschöpft. Die Bestände sind bislang kaum dokumentiert und inventarisiert. Ihre Sichtung und Erfassung in Form einer standortabhängigen Systematik bildet momentan daher einen Arbeitsschwerpunkt. Der quantitative Umfang kann zurzeit nur grob geschätzt werden. So umfasst die Sammlung rund 2000 relevante gegenständliche Objekte, 12.000 Bücher, 30 Regalmeter Ordner, 40.000 Fotografien sowie eine 6.500 Einträge umfassende Personenkartei.

Die Sammlung entstammt unterschiedlichen Quellen:

-Der größte und bedeutendste Bestand wurde von Zollbehörden übernommen. Er umfasst Gegenstände, Druckwerke und Schriftstücke aus der konkreten Zollpraxis und Grenzkontrolle. Der größte Teil dieser Bestände wurde der Stadt Aachen bereits in den 1990er Jahren als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Der Bestand wurde seitdem sukzessive durch Übernahmen vergrößert.

-Dieser Bestand wird durch die frühere Privatsammlung des Museumsgründers Friedrichs ergänzt, die der Stadt Aachen ebenfalls als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurde. Der Bestand umfasst teils wichtige zollhistorische Objekte, teils themenfremde oder unbedeutende Stücke. Um diesen (und nur diesen) Bestand ist ein Erbstreit entstanden. Um die geltend gemachten Ansprüche zu befriedigen, wirbt der Betreiberverein um Spenden und hat einen Teil der betroffenen Exponate bereits angekauft.

-Eine weitere Ergänzung bildet die Sammlung Meier (sog. Zollarchiv). Sie umfasst vor allem Fotografien und Dokumente, darunter beispielsweise eine vollständige Dokumentationen der gesamten bundesdeutschen Außengrenzen (incl. der Aachener Grenzregion) sowie des „Eisernen Vorhangs“ einschließlich der Grenzanlagen vor und nach der „Wende“. Auch die genannte Personendatei über 6.500 Zollbedienstete ist Teil der Sammlung Meier.

-Darüber hinaus sind schätzungsweise 100 kleinere Bestände übernommen worden. Sie stammen größtenteils von früheren Zollbediensteten und aus der Bevölkerung.

-Hinzu kommt umfangreiches Sammlungsgut, das bislang noch nicht gesichtet wurde oder dessen Provenienz aufgrund der fehlenden Inventarisierung unklar ist.

Der in der Öffentlichkeit häufig thematisierte Erbstreit betrifft mithin nur einen relativ kleinen Teil der Gesamtsammlung und gefährdet diese in ihrem thematischen Kern nicht.

Den Kern der Sammlung bilden Objekte, die der Zollpraxis und die Grenzkontrolle der Bundesrepublik bis zur Einstellung der innereuropäischen Grenzkontrollen dokumentieren. Ausgesprochen dicht sind die Bestände für die späten 1940er bis 1960er Jahre. Das Objektspektrum (Originale) ist sehr authentisch und vollständig; es reicht von der dienstlichen Literatur, internen Anweisungen und Lehrmaterialien der Zöllner über ihre Kleidung und ihre Ausrüstung bis hin zu beschlagnahmtem Schmuggelgut und Schmugglerverstecken. Die bei der Kontrolle der Grenzen eingesetzten Gerätschaften sind vollständig enthalten. Grenzanlagen, Grenzmarkierungen und Grenzverträge, Kontrollprozeduren und Einzelereignisse sind umfassend dokumentiert, und auch persönlich-biographische Objekte fehlen nicht. Die Sammlung ist überregional angelegt, doch entstammt ein Großteil der Bestände der Region um Aachen (etwa Eifel bis Selfkant). Sie deckt damit u.a. die Zeit des eskalierten Gewalt zwischen Zöllnern und Schmugglern ab, der nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als 30 Menschen im Aachener Grenzabschnitt zum Opfer fielen.

Die vorausgegangenen Phasen sind ab dem frühen 19. Jahrhundert im Objektbestand abgebildet, wobei sich der Bestand ab der Weimarer Republik deutlich verdichtet. Er deckt damit die wesentlichen Zäsuren dieser Zeit, etwa den Beginn und das Ende des NS-Regimes, die Entnazifizierung und die Entstehung der Bundesrepublik, ab. Die Parallelentwicklung des DDR-Zolls ist durch einen Teilbestand repräsentiert. Für die Phase nach 1992 und für die Gegenwart nimmt die Objektdichte schließlich wieder ab.

In den zoll- und grenzbezogenen Sammlungsstücken spiegeln sich immer auch die Veränderung der Grenze und die Erfahrung der mit ihr konfrontierten Gesellschaft. Die Entwicklung von den aufgerüsteten Grenzen der 1950er Jahre zu den unsichtbar werdenden Grenzen der 1990er Jahre ist eindrucksvoll dokumentierbar. Wie in einem Spiegel zeigt sich hierin die Geschichte der europäischen Integration – und zwar in ihrem innersten Kern: der Friedenssicherung durch Überwindung der nationalen Grenzen. Insofern lassen sich aus der Erfassung der Sammlung bereits wichtige Ansatzpunkte für eine inhaltliche Neukonzeption des Museums ableiten:

-Das Zollmuseum besitzt ein Alleinstellungsmerkmal (neben dem bundeseigenen Zollmuseum Hamburg) im Bereich der Geschichte von Grenzen. Diese werden in kleineren Zoll- oder Grenzmuseen in der Regel nur als Lokalgeschichte behandelt und beziehen sich häufig auf den Eisernen Vorhang.

-Das Zollmuseum dokumentiert mit seinem Sammlungsschwerpunkt in der frühen Bundesrepublik eine zeitgeschichtliche Phase, die verstärktes Interesse genießt, was sich bundesweit in einer Häufung von Ausstellungen, TV-Filmen und Dokumentationen sowie einer Intensivierung der wissenschaftlichen Forschung zeigt.

-In der Entwicklung und der Praxis des Zolls spiegelt sich die Entwicklung der Grenzen, und in dieser wiederum spiegelt sich die Geschichte Europas. Die bisher eng geführte Erzählung des Museums kann zu einer spannungsreichen Narration erweitert und durch kritische Gegenwartsbezügen aktualisiert werden. Hierbei sind „große“ (europäische) und „kleine“ (lokale, persönliche) Geschichte eng verwoben. Hierin liegt gleichzeitig eine nachvollziehbare Abgrenzung des Aachener Zollmuseums vom Zollmuseum Hamburg.

-Die Erfahrung innereuropäischer Grenzkontrollen ist historisch geworden. Der Generation unter 30 ist sie aus eigener Erfahrung nicht mehr präsent, sondern bedarf der historischen Vermittlung. Diese wiederum kann hier besonders anschaulich geschehen. Dieser Aspekt sollte – attraktiv umgesetzt – unbedingt zum Kern eines künftigen Museumskonzepts gehören.

-Bezüge zu aktuellen Themen, Konflikten und Kontroversen lassen sich leicht herstellen (z.B. Symbolische Aufladung von Grenzen; Konflikte um Grenzen; Deeskalation von Grenzkonflikten; Flucht und Flüchtlinge).

Neukonzeption

Der LVR hat bereits 2014 zugesichert, die Erstellung eines neuen Ausstellungskonzepts mit einem Zuschuss von 10.000 € zu fördern. Die Maßnahme ist im Sinne einer Grobkonzeption zu verstehen, die neben der Dauerausstellung (Objektauswahl, Präsentation, Medienverwendung, Text-Bild-Verwendung u.v.m.) auch die Erstellung einer Marketing- und Öffentlichkeitsstrategie, die Konzeption museumspädagogischer Angebote und eine Kostenaufstellung zur Realisierung des Projekts umfassen soll. Mit der Erarbeitung soll ein erfahrenes Büro beauftragt werden.

Aus Sicht des LVR muss gewährleistet sein, dass die Sammlungsbestände langfristig gesichert sind (Erbstreit), was nach Einschätzung der Verwaltung aus den oben dargestellten Gründen jedoch der Fall ist. Darüber hinaus muss vorab geklärt sein, ob das Museum an seinem jetzigen Standort verbleibt oder an einen alternativen Standort verlegt werden soll.

Standort und Standortalternative

Aus Sicht der Verwaltung gibt es gute Gründe für zwei mögliche Standorte:

a) Beibehaltung des Standortes:
Hierzu gehören u.a. der Erhalt einer für den Stadtbezirk wichtigen kulturellen Einrichtung, die Authentizität der Museumsgebäude und der als Erinnerungsort angelegten Ausstellung, das ehrenamtliche Engagement und die von den ehrenamtlich Aktiven hergestellte Bindung an die örtliche Bevölkerung. Die oben umrissenen Defizite der Präsentation sind im Zuge einer Neukonzeption im Prinzip lösbar. Aufgrund der baulichen Restriktionen (mangelnde Fluchtwegsituation im 1./2. OG) wäre über eine Konzentration der Ausstellung nachzudenken, wenngleich der Fokus sicherlich auf Gruppenangebote und weniger auf Individualbesucher gerichtet sein muss, die wiederum aktiv beworben werden müssen. Schwierig sind aus Sicht der Verwaltung gleichwohl die periphere Lage, das Fehlen eines attraktiven Umfeldes, die geringe Präsenz des Standortes im öffentlichen Bewusstsein.

b) Grenzübergang Köpfchen (realistische Standortalternative):

Der Übergang Köpfchen liegt in einem Grenzabschnitt, der in besonderem Maße die Konfliktgeschichte des 20. Jahrhunderts wiedersiegelt (zweimalige deutsche Expansion, Grenzverlagerung durch den Versailler Vertrag, Existenz zweier neutraler Zonen im 19./20. Jahrhundert). Auch die Grenzanlagen selbst gingen aus dieser Konfliktgeschichte hervor, da sie eine unmittelbare Folge des Versailler Vertrags sind. Teile der in den frühen 1920er Jahren entstandenen Grenzanlagen sind noch vorhanden. Umfangreich und weitgehend authentisch erhalten sind jedoch vor allem die beiderseitigen Grenzanlagen der 1930er bis 1950er Jahre, darunter das 1938 errichtete und 1953 um eine große Abfertigungsrampe für den Güterverkehr erweiterte deutsche Zollamt. Dieses Zollamt (Eupener Straße 403) steht heute mit Ausnahme einer Mietwohnung leer und wäre ein möglicher neuer Standort für das Zollmuseum.

Das Gebäude gliedert sich wie das Zollmuseum Horbach in ein Haupthaus mit Büro- und Wohnräumen und eine Abfertigungsgebäude; allerdings ist dieses zur Straßenseite hin offen und verfügt rückseitig über einige Nebenräume. Unter der Abfertigungsrampe sind einige Arrestzellen erhalten. Der momentan geltende Bebauungsplan sieht eine kulturelle Nutzung dieser Räumlichkeiten vor. Das Gebäude wurde 2013 von einem Aachener Architekten erworben, der einer Nutzung für das Zollmuseum aufgeschlossen gegenüber steht. Allerdings sind – unabhängig von der künftigen Nutzung – erhebliche Sanierungs- und Umbauarbeiten erforderlich, zu denen u.a. eine denkmalgerechte Abschließung der bisher offenen Abfertigungsrampe gehört.

Im Vergleich zum jetzigen Standort bietet Köpfchen einige Vorteile. Wie bereits gesagt, ist das Gebäude von ähnlicher historischer Bedeutung, allerdings ist die Gesamtanlage eines großen Grenzübergangs hier anders als in Horbach noch vorhanden. Gleichzeitig verlaufen der historische Aachener Landgraben und der Westwall in unmittelbarer Nähe, und die im Rahmen der Euregionale 2008 angelegten Grenzrouten (mit rekonstruiertem Teil des Landgrabens) haben hier einen wichtigen Ausgangspunkt. Der Standort bietet damit hervorragende Möglichkeiten, Museum und Freiraum miteinander zu verknüpfen. Neben den Grenzrouten thematisieren heute bereits mehrere künstlerische Installationen die Grenzgeschichte. Ein wesentlicher Vorteil ist nicht zuletzt die Nachbarschaft des Kulturzentrums „KuKuK - Kunst und Kultur im Köpfchen“ im früheren deutschen Inselzollamt, das 1953/54 zur Abfertigung des Pkw-Verkehrs gegenüber dem deutschen Zollamt errichtet wurde. Es verfügt über einen Raum für Sonderausstellungen und ein Café. Das Umfeld des Grenzübergangs ist von Wald- und Weideflächen mit zahlreichen Rad- und Wanderwegen geprägt, das Naturdenkmal Zyklopensteine liegt in direkter Nähe. All dies hat zur Folge, dass der Ort trotz seiner peripheren Lage an der Stadtgrenze insbesondere an Wochenenden stark frequentiert ist.

Sollte das Zollmuseum nach Köpfchen verlagert werden, stünde nach ersten Sondierungsgesprächen mit dem Eigentümer eine Gesamtfläche von knapp 400 qm im Erdgeschoss für die Ausstellung incl. Nebenräume sowie außerdem die früheren Arrestzellen und Lagerräume im Keller zur Verfügung. Eine Verlegung des Zollmuseums wäre also mit einer räumlichen Komprimierung der Ausstellung verbunden, was aus Sicht der Verwaltung allerdings sinnvoll ist und durch das historisch interessante Umfeld mehr als kompensiert würde.

Beschlussvorschlag:

Der Betriebsausschuss Kultur nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung die Finanzierung beider möglichen Standorte zu prüfen.


Anlagen können jeweils im Originaldokument eingesehen werden.

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  • Landgraben
  • Eupener Straße

Beratungsfolge

Donnerstag, 26. März 2015BaKu/05/WP.17 öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Betriebsausschusses Kultur

Art
Kenntnisnahme
Ausschuß
Betriebsausschuss Kultur
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