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Inhaltliche Schwerpunkte des Kommunalen Integrationszentrums für die Jahre
2020 und 2021


Letzte Beratung
Donnerstag, 12. Dezember 2019 (öffentlich)
Federführend
A 46 - Kommunales Integrationszentrum
Originaldokument
http://gremieninfo.staedteregion-aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=9993

Beschlussvorschlag:

Der Städteregionstag beschließt die in der Sitzungsvorlage 2019/0465 beschriebenen inhaltlichen Schwerpunkte des Kommunalen Integrationszentrums für die Jahre 2020 und 2021.

Sachlage:

Das Kommunale Integrationszentrum (KI) muss aufgrund der Richtlinien des Landes NRW alle zwei Jahre zu den jeweiligen Handlungsfeldern „Integration durch Bildung“ und „Integration als Querschnittsaufgabe“ einen neuen Themenschwerpunkt benennen. Eine erste Vorstellung der nachfolgenden Themenschwerpunkte erfolgte in der Sitzung des Arbeitskreises der Integrationsräte am 23.09.2019. Beide Themenschwerpunkte haben die uneingeschränkte Zustimmung des Arbeitskreises erhalten.

 

Themenschwerpunkt „Fokus Migration in der Arbeitswelt“

Die gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Integration in Deutschland gelingen kann. Erwerbsarbeit bedeutet nicht nur ein gesichertes Einkommen und wirtschaftliche Eigenständigkeit, sondern auch die Möglichkeit zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft. Die Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Migrant_innen ist deshalb eine Kernaufgabe der Integrationspolitik.

Trotz vieler Verbesserungen in den vergangenen Jahren besteht weiterhin Handlungsbedarf. Denn die Arbeitslosigkeit von Migrant_innen ist auch in der StädteRegion immer noch deutlich erhöht. Ursachen hierfür sind häufig Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache sowie die Anerkennung der schulischen und beruflichen Qualifikationen. Ebenso auch Beratungs- und Informationsdefizite in Arbeitsmarktfragen.

 

Vor diesem Hintergrund und mit Bezug zum Integrationskonzept der StädteRegion Aachen erscheint es notwendig und sinnvoll, diesen Themenschwerpunkt in den kommenden zwei Jahren intensiv zu bearbeiten und dies erfolgt in enger Abstimmung mit dem Jobcenter. Das KI verfügt im Bereich „Querschnitt“ mit den Arbeitsbereichen „Servicestelle Migrantenorganisationen“, „KOMM-AN NRW“, „NRWeltoffen“ und „Miteinander gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ über gute strukturelle Voraussetzungen, um auch den o. g. Themenbereich in der strategischen Ausrichtung als Initiator, Unterstützer und Netzwerker zielorientiert und nachhaltig umsetzen zu können.

 

Ausgesprochen positiv ist es für die zukünftige Umsetzung dieses Themenschwerpunktes, dass das KI sich bereits Ende 2018 um die Teilnahme an der Landesinitiative „Gemeinsam klappt’s: Integrationschancen für junge erwachsene Flüchtlinge in NRW“ für zwei Modellkommunen der StädteRegion Aachen beworben hat. Ziel dieser Landesinitiative ist es, Potenziale junger geflüchteter Menschen zwischen 18 und 27 Jahren, die sich im Asylverfahren befinden oder auch als Geduldete hier aufhalten, zu entdecken, zu fördern und diese jungen Menschen bei der Entwicklung individueller Perspektiven im Hinblick auf die Erlangung eines Schul- oder eines Berufsabschlusses zu unterstützen. Auf diese Weise sollen auch diese jungen Menschen, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, die Gelegenheit erhalten, ihren Aufenthalt in der StädteRegion Aachen sinnvoll zu nutzen. Die Beratung der regionsangehörigen Kommunen, die Steuerung des Prozesses sowie die Geschäftsführung von „Gemeinsam klappt’s“ sind in diesem Zusammenhang wichtige Aufgaben des Kommunalen Integrationszentrums.

 

Mit der Landesinitiative „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ wird darüber hinaus eine sinnvolle Ergänzung im Hinblick auf die Adressatengruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund geschaffen. Auch in diesem Programm, die konkreten Richtlinien liegen bislang noch nicht vor, wird die Rolle des Kommunalen Integrationszentrums im Wesentlichen auf die Prozesssteuerung, auf die Beratung und Begleitung der beteiligten Akteur_innen und natürlich auch auf die Initiierung von Maßnahmen und Aktivitäten ausgerichtet sein.

 

Insofern sind insgesamt wesentliche Voraussetzungen gegeben, um zentrale Leitlinien des städteregionalen Integrationskonzeptes umzusetzen. So beispielsweise die Leitlinien, dass

  • Vielfalt als Ressource auf dem Arbeitsmarkt anerkannt wird und verschiedene Arbeitsweisen und Arbeitserfahrungen als Bereicherung des Arbeitslebens wahrgenommen werden,
  • Menschen frühzeitig die Chance erhalten, ihren Lebensunterhalt durch Arbeit zu sichern und ihre berufliche und persönliche Situation gleichzeitig durch berufliche und außerberufliche Weiterbildung und Qualifikation zu verbessern,
  • Weiterbildungs- und Beratungsmaßnahmen sowohl berufliche als auch außerberufliche gezielt auf Menschen ausgerichtet werden, die bisher kaum erreicht werden und adressatenorientierte und bedarfsgerechte Angebote weiterentwickelt und gestärkt werden.

 

Mit den beiden oben genannten Landesinitiativen ist es möglich, den Zielgruppen konkret folgende Fördermaßnahmen zukommen zu lassen:

 

  1. Die Förderung eines Coachings, welches eine niederschwellige, engmaschige und individuelle Betreuung geflüchteter Menschen während des Integrationsprozesses ermöglicht.
  2. Die Förderung einer berufsbegleitenden Qualifizierung und/oder Sprachförderung.
  3. Die Förderung des nachträglichen Erwerbs eines anerkannten Schulabschlusses (Hauptschulabschluss 9/10 A) mit integrierter Sprachförderung.

4. Die Förderung von Kursen, die berufliche und sprachliche Bildung mit Werteorientierung verbinden, vergleichbar zu den Jugendintegrationskursen des Bundes, sowie von niederschwelligen Kursen in Deutsch oder Mathematik im Rahmen der Initiative "Gemeinsam klappt's“, um die individuelle Ausbildungsfähigkeit zu verbessern.

  1. Die Förderung von innovativen und modellhaften Projektideen zur Integration in Ausbildung und Arbeit.
  2. Die Förderung von Teilhabemanagement-Stellen in den Bündniskommunen der Initiative „Gemeinsam klappt's“, um den Integrationsprozess junger Menschen durch übergreifende, individuelle, ergebnisoffene Beratung und Begleitung zu unterstützen.

 

Darüber hinaus wird das KI, auch unter Einbeziehung bereits bestehender Netzwerke, z.B. KAoA-Gremien, AK Arbeitsmarkt, mit dem Ziel der Arbeitsmarktintegration von benachteiligten Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung, die Arbeit von interkommunalen Netzwerken initiieren und fördern, die Zusammenarbeit mit der Ausländerbehörde intensivieren, Deutsch als Zweitsprache bei berufsvorbereitenden Maßnahmen mehr in den Fokus rücken und grundsätzlich natürlich unterstützende und beratende Angebote für die Kommunen und die unterschiedlichen Akteur_innen in den Kommunen im Bereich Arbeitsmarkt und Integration kontinuierlich vorhalten. Konkrete Unterstützungsleistungen wird das KI durch die Weiterentwicklung seiner Schulung „Mieterführerschein“ im Übergang Schule-Beruf in Kooperation mit den Berufskollegs und durch die gezielte Nutzung der Daten aus der Sozialplanung erbringen.

 

Themenschwerpunkt „Diversität – Alltag in Schule?!“

Das Schul- und Bildungssystem hat sich, nach den anfänglichen Startschwierigkeiten in den Jahren 2015/2016, grundsätzlich auf die Herausforderungen der Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Fluchtgeschichte eingestellt. Für die betreffenden Akteur_innen haben sich die Bedingungen ihrer täglichen Arbeit seitdem massiv verändert. In einer engen und strukturierten Kooperation aller Akteur_innen hat das KI StädteRegion Aachen im schulischen Bereich mit Unterstützung vieler Kooperationspartner_innen vieles initiieren und umsetzen können, u.a. Fachberatung regionale Integrationsprozesse, Koordination von Bildungsangeboten für Neuzugewanderte. Jedoch gibt es nach wie vor noch viel zu tun!

 

Die Herausforderungen für den Bildungsbereich waren aufgrund der starken Zuwanderung in den Jahren 2015/2016 ausgesprochen groß, weil die geflüchteten Kinder und Jugendlichen, ohne Vorlaufzeit und ohne auf bereits gemachte Erfahrungen zurückgreifen zu können, in den schulischen Alltag integriert werden mussten.

 

Das KI StädteRegion Aachen hat seit 2015 insgesamt 2.140 zugewanderte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien im Rahmen der Erstberatung zum Seiteneinstieg informiert und in das Schulsystem vermittelt. In diesem Zeitraum konnte eine Grundstruktur im Bildungsbereich aufgebaut werden, die sich sukzessive auf die ermittelten Bedarfe und auf die Wünsche der Lehrer_innen und der pädagogischen Fachkräfte ausgerichtet hat. Diese Grundkonzeption hat sich bereits dahingehend bewährt, dass die Unterstützungsangebote und die Informationsveranstaltungen von vielen pädagogischen Fach- und Lehrkräften positiv angenommen und weiter offensiv nachgefragt werden.

 

Auf dieser Basis möchte das KI StädteRegion Aachen nunmehr den nächsten Schritt gehen und wieder alle Schüler_innen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte in den Blick nehmen. Die gelebte Realität der Vielheit in der Gesellschaft, wozu auch die Schule gehört, soll in den Fokus genommen werden. Hierzu möchte das KI ein Rahmenkonzept entwickeln, um Schulen auf ihrem Weg zu einer „diversitätssensiblen Schule“ zu begleiten und zu beraten.

 

Um für diese Aufgabe die notwendigen Grundlagen zu erarbeiten, hat die Verwaltung den Schwerpunkt „Diversität – Alltag in Schule?!“ gewählt.

 

Ziel des neuen Themenschwerpunktes ist es, einzelne Bausteine für eine diversitätssensible Schule anzubieten. Mit dieser Vorgehensweise möchte die Verwaltung Schulen die Möglichkeit bieten, gemessen an ihrem eigenen Tempo bzw. gemessen an ihrem eigenen Prozessverlauf, die passenden Bausteine auf ihrem Weg zu einer diversitätssensiblen Schule zu wählen. Es ist beabsichtigt, Schulen, die die wesentlichen Bausteine bearbeitet haben, das Siegel „Diversitätssensible Schule“ zu verleihen.

 

Konkret sind in diesem Zusammenhang in den kommenden zwei Jahren die unten genannten Handlungsfelder zu bearbeiten und entsprechende Maßnahmen und Aktivitäten mit den vielen Kooperationspartner_innen vor Ort (in den Schulen bzw. in den Kommunen) umzusetzen:

 

Bausteine für eine diversitätssensible Schule

 Vorurteilsreflektierte Sensibilisierung

 Umsetzung und Weiterentwicklung der Landesprogramme „Rucksack-Schule“ und „Schule ohne Rassismus–Schule mit Courage“

 Unterstützungsleistungen und Fortbildungen zum Thema „Mehrsprachigkeit als Ressource“

 Initiierung und Begleitung einer Wertediskussion im schulischen Bereich unter besonderer Berücksichtigung von diskriminierenden und genderspezifischen Aspekten

 Unterstützung und Beratung zum Thema „differenzsensible Elternarbeit“

 Aufbau eines Online-Portals zur Vorstellung von Programmen, Projekten und Materialien im Themenbereich „Migration und Bildung“ in der StädteRegion Aachen, das von allen interessierten Akteur_innen uneingeschränkt genutzt werden kann (ggfs. vorhandenes Portal „Online-Übersicht der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ erweitern).

 

Die bereits existierenden Basisangebote wie bspw. der KI-Newsletter, KI-Koffer, die Seiteneinsteigerberatung und auch die Organisation und Umsetzung von Fach- und Informationsveranstaltungen zu migrations-und integrationsrelevanten Themen werden im Rahmen der Umsetzung dieses Themenschwerpunktes selbstverständlich weiterhin vorgehalten.

Personelle Auswirkungen:

Keine

 

Finanzielle/bilanzielle Auswirkungen:

Keine

 

Soziale Auswirkungen:

Das Kommunale Integrationszentrum greift mit der Wahl der o. g. Schwerpunkte wichtige bildungs- und gesellschaftspolitische Problemlagen auf und entwickelt dazu mögliche Handlungsoptionen.

 

Im Auftrag:

gez. Dr. Ziemons


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Beratungsfolge

Donnerstag, 12. Dezember 2019Sitzung des Städteregionstages

Ausschuß
Städteregionstag

Donnerstag, 28. November 2019Sitzung des Städteregionsausschusses

Ausschuß
Städteregionsausschuss

Mittwoch, 20. November 2019Sitzung des Ausschusses für Soziales, Gesundheit, Senioren und demographischen Wandel

Ausschuß
Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Senioren und demographischen Wandel
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Tagesordnung

Donnerstag, 07. November 2019Sitzung des Ausschusses für Schulen und Bildung

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Ausschuss für Schulen und Bildung
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