Altstadtquartier Büchel Vom "Sträßchen" zum Altstadt-Lebensraum mit Bordellhaus

Bebauungsplan Nr. 999 Antoniusstraße / Mefferdatisstraße
Luftbild des Viertels
Foto: © Stadt Aachen / AVIA-Luftbild, Martin Jochum
Bebauungsplan Nr. 999 Antoniusstraße / Mefferdatisstraße
Geltungsbereich des Bebauungsplans
Quelle: aachen.de
Bebauungsplan Nr. 999 Antoniusstraße / Mefferdatisstraße - Städtebauliches Konzept
Quelle: aachen.de

Bericht über die Anhörung am 10. Juli 2017 in der Citykirche

Podium v.l.n.r: Heike Ohlmann (Stadtplanerin), Niels-Christian Schaffer (Leiter FB Stadtentwicklung), Werner Wingenfeld (Planungsdezernent), Moderatorin

Vorstellung der Planung

Zu Beginn stellte Stadtplanerin Heike Ohlmann den bisherigen Stand der Planung vor

  • 50-60% Wohnraum, davon 20-40% gefördert - ansonsten Handel, Büros, Kita, Gastronomie
  • 15-30% Grünflächen durch Bepflanzung von Dächern + Freiflächen
  • Schaffung eines zentralen Platzes (u.a. mit Aussengastronomie)
  • Bordell (mit 120-125 Zimmern) im östlichen Bereich der Antoniusstrasse - die nebeneinander stehenden Bordelle im "Sträßchen" sollen nun übereinander gestapelt werden - quasi ein Bordellregal oder neuschwedisch Lust-Billy :-)
  • Bauliche Abgrenzung in der Antoniusstrasse zwischen Bordell und Wohnraum - mit Durchlässigkeit für Rettungsdienste
  • Fußgängerzone im gesamten Bereich, Fahrerlaubnis für Anwohner mit Stellplätzen
  • Abriss Parkhaus Büchel, kein Ersatz für die dort wegfallenden Kurzparkerplätze
  • Zweigeschossiges Kaufhaus statt des Parkhauses
  • in mehreren Bauabschnitten sollen Tiefgaragen unter den Häusern entstehen (Ausnahme sind die denkmalgeschützten Häuser)
  • Berücksichtigung des Aachener Themas "Wasser"

Dies alles ist ausführlich nachzulesen im Erläuterungsbericht der Stadt Aachen:
aachen.de

Gut 80 Bürgerinnen und Bürger kamen in die Citykirche, um am Infoabend zum geplanten Altstadtquartier Büchel teilzunehmen.
Foto: © Stadt Aachen / Stefan Herrmann

Rückfragen und Anmerkungen zur Planung aus dem Publikum

Ein Großteil der Diskussion drehte sich um die Bereiche Bordellbetrieb, Eigentumsverhältnisse und Parken - leider waren nur sehr wenige Menschen unter 40 anwesend. Es wäre schön, wenn davon im weiteren Beteiligungsverfahren mehr teilnehmen würden...

BORDELLBETRIEB ANTONIUSSTRASSE:
Vorweg:
Es gibt einen Grundsatzbeschluss der Aachener Politik, den Bordellbetrieb in der Antoniusstraße zu belassen und nicht an den Stadtrand zu verlagern.

Rückmeldungen aus dem Publikum:

  • Warum gab es keine *offizielle* Bürgerbefragung, ob der Bordellbetrieb in der Innenstadt bleiben oder an den Stadtrand verlegt werden soll?
  • Wo sollen die Kunden des Bordells parken, wenn es keine Kurzparkerplätze gibt?
  • Bessere Kontrollmöglichkeit durch Polizei und Sozialdienste und damit bessere Gewährleistung von Sicherheit und Arbeitsbedingungen der dort tätigen Frauen bei Verbleib des Rotlichtbezirks in der Innenstadt.
  • In einem zentralen Haus ist die Schaffung von Beratung und Sozialräumen für die Frauen möglich (und erwünscht).
  • Zugang zum "Häuschen" (ist ja dann kein "Sträßchen" mehr) - durch die Antoniusstrasse zu gehen ist "Folklore" - in ein Haus zu gehen ist eher "zielgerichtet" => will "Mann" dabei gesehen werden?
  • Wie sollen die Einrichtung einer Kita und der Betrieb eines Bordells um die Ecke zusammen passen?

Insgesamt schien das gestrige Publikum mehrheitlich den weiteren Verbleib des Bordellbetriebs im Viertel zu befürworten - es gab zweimal Szenenapplaus, als es um die (gute) Integrierbarkeit und die Sicherheit + Arbeitsbedingungen der Frauen ging.


EIGENTUMSVERHÄLTNISSE:
Es wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass viele der Gebäude in Privatbesitz und nicht im Besitz der Stadt bzw. des Investors sind. Es kam die Frage auf, wie man diese Häuser bereits in eine Planung mit einbeziehen kann, wenn sie einem nicht gehören.

Diese Fragen wurden mit Verweis auf die noch frühe Planungsphase beantwortet - irgendwann muß man einmal beginnen, einen Plan aufzustellen. Wenn dieser dann vorgestellt wird, beginnt die Phase, in der die Anwohner und Eigentümer zu diesem Plan Stellung beziehen und Einfluß nehmen können und sollen - diese Phase ist JETZT.

Also: schaut Euch die Informationen und Pläne gut an, wendet Euch mit Euren Eingaben an die Stadt und nehmt vor allem aktiv am weiteren Beteiligungsverfahren teil!


PARKEN:
Das Parkhaus Büchel soll zum gefühlt 10. Mal nun abgerissen werden und durch ein Kaufhaus ersetzt werden. 

Hierzu machte sich im Publikum im Wesentlichen Ungläubigkeit - v.a. auch Ungeduld - breit, dass es jetzt tatsächlich auch im echten Leben passieren wird.

Zum Thema Parken für Bordellbesucher merkte jemand via twitter an:

Auf dem Rad oder per ÖPNV ins Bordell - das würde vielleicht den Weg freimachen für den ersten Ökopuff Deutschlands :-)

v.l.n.r: Heike Ohlmann (Stadtplanerin), Niels-Christian Schaffer (Leiter FB Stadtentwicklung), Werner Wingenfeld (Planungsdezernent) - Foto: © Stadt Aachen / Stefan Herrmann

Antworten des Podiums

Zeithorizont des Projekts?
Auf die Frage aus dem Publikum, ob man sich jetzt in einem oder in zehn Jahren nach einer neuen Wohnung umsehen müsse gab es eine zwar lange, aber inhaltlich sehr kurze Antwort seitens des Fachbereichsleiters Stadtentwicklung. Letztendlich scheint es aktuell keine halbwegs belastbare oder angedachte Zeitplanung zu geben.
Hier gab es wieder den Verweis auf das sehr frühe Stadium der Öffentlichkeitsbeteiligung in dem man Einwände sammele.


Wie kann man dauerhaft Einzelhandel ansiedeln, obwohl aktuell ein hoher Leerstand vorherrscht?
Im Wesentlichen durch ein attraktives Umfeld inmitten der Altstadt, ein gutes Wegekonzept und den Anschluss an die Fußgängerzone.


Bleiben die Investoren?
In den letzten Jahren wurde in der Stadt in viele Bauprojekte - namentlich u.a. durch die Landmarken AG - investiert. Gerade hinsichtlich der Einkaufsflächen scheint "der Markt" hier gesättigt zu sein. Auch besteht seitens der Bevölkerung ein nach wie vor hoher Bedarf an bezahlbarem statt hochpreisigem Wohnraum - bleibt es unter diesen Umständen bei den zugesagten Investitionen?

Die Antwort des Planungsdezernenten geriet in den Bereich der Vermutungen: wenn sich an den Plänen nicht allzuviel ändere und ein hoher Wohnbestand zugesagt werde, würde es wahrscheinlich bei den Zusagen bleiben.